Nur derjenige, der bereit ist alles Leid zu tragen, wird auch glücklich sein.
„Wirklich weise ist der, der mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann.“ - altes indianisches Sprichwort
Von Leid
Ich griff mal wieder zu einem Buch, das ich mir vor einiger Zeit gekauft hatte. Frieder Lauxmann philosophiert am Anfang des 21. Jh. über verschiedene Dinge. So auch über die großen Menschen der Geschichte, vorzugsweise Christen. Ich musste mit dem Autor zusammen feststellen, dass die Menschen, die am meisten bewegten, viel zu leiden hatten. Über Georg Müller habe ich schon einmal geschrieben, aber auch Ghandi und Mutter Theresa kann man hier nennen. Und sicherlich fällt es niemandem schwer noch mehr Persönlichkeiten zu finden, die Opfer erbracht haben, um etwas zu erreichen. (Das populärste Beispiel habe ich jetzt nicht genannt...)
Diese Menschen haben in all ihrem Leid Großes bewirkt. Sie haben zwar meistens nur einen kleinen Kreis von Menschen direkt erreicht und doch haben sie die Welt verändert. Ihre provokative Art zu leben und die Worte, die sie sagten waren zum Teil sehr polemisch und regten zum Denken an. Sie waren oft Praktiker und klagten das ein oder andere Mal frei heraus die Oberschicht an.
Eine Frage im Raum
Diese Menschen stellten mir eine Frage: Bist du bereit zu leiden und auch ohne Aussichten auf Erfolg für das Richtige einzustehen?
Ja ich wollte für das Richtige einstehen und mit meiner Lebensweise und meinen Worten provozieren. Doch was das Leid angeht, bin ich mir nicht so sicher. Ich habe vor dem Tod nicht wirklich Angst, aber vor dem Weg dahin schon. Ehrlich gesagt, ich will nicht leiden.
Ich habe mal ein bisschen rumgefragt. So geht es vielen Menschen. Für das Richtige einstehen, Gerechtigkeit schaffen, Großes bewirken, wollen viele. Aber bitte nicht leiden wie vielleicht Jesus!?
Dann doch lieber wie Zorro. Der war auch erfolgreich, aber um nicht persönlich angreifbar zu sein, versteckt er sich hinter einer Maske. Das machen unsere Superhelden im Kino auch. Sie setzen sich für das Gute ein und versuchen mit der Maske ihr Privatleben zu schützen. Dabei sehen wir auch dort immer: das geht nicht. Niemand kann auf Dauer ein revolutionärer Abenteurer sein, der die Welt bewegt und gleichzeitig von allen gemocht wird.
Jeder von uns, der über sich selbst hinaus etwas in dieser Welt bewegen will, muss es wagen aus seinem Schneckenhaus und seiner Kuschelecke heraus zu kommen. Der Weg zu wirklichen Veränderungen, seien sie privat, in der Familie oder global muss auch durchlitten werden.
Sag mir, wofür?
Nicht jeder von uns ist ein geborener Weltverbesserer. Und das ist auch okay. Nicht jeder von uns muss in lustigen Anzügen durch die Gegend rennen und die Welt vor den Bösen dieser Welt retten. Nicht jeder von uns muss ein Volk befreien. Nicht jeder von uns muss sich für die Rechte einer Minderheit einsetzen.
Die meisten von uns haben ganz normale Träume: Karriere, Familie, Lebensstil.
Auch diese Dinge können sehr herausfordernd sein und viele Opfer abverlangen. Und wenn es so weit ist, dass die Kinder derart stressen, dass man sich als Mutter eingestehen muss, gerne das Leben zu wechseln; wenn die Karriere jeden Freiraum einnimmt und es außer endloser Arbeit nichts gibt; wenn der Lebensstil, die Religion, die Überzeugungen, nicht das geben, was sie sollten; wenn meine persönliche Entwicklung an meinen Mitmenschen zu scheitern droht; dann sollte man eine Frage schon lange für sich beantwortet haben: Bin ich bereit dafür zu leiden?
Diese Frage in einer Krisensituation zu stellen, mag helfen. Aber besser ist es, wir haben dann schon die Antwort und können entweder die Prioritäten ändern oder können motiviert durchhalten, weil wir ein Ziel vor Augen haben, für das wir uns so sehr entschieden haben, dass wir sogar dafür leiden werden.
Von Leid und Erfolg
Wer Familie hat, wird festgestellt haben, dass es Situationen gibt, in denen man sich wünscht lieber allein zu sein oder es Situationen gibt, in denen man sich trotz eines vollen Hauses allein fühlt.
Wer Freunde hat, wurde schon einmal enttäuscht und hat vielleicht auch eine Freundschaft beenden müssen.
Wer für seinen beruflichen Erfolg arbeitet, musste feststellen, dass man sich auch für Jahre abrackern kann, ohne Lohn oder Anerkennung dafür zu bekommen.
Trotz der negativen Erfahrungen in unserem Leben, trotz des Leides, hören viele von uns nicht auf. Sie kämpfen weiter und stellen fest, dass es sich lohnt. Für jeden von uns, gibt es einen Moment des Glücks in dem, was er sucht. In diesem Moment weiß man, dass es sich gelohnt hat.
Freundschaften mögen beendet worden sein, aber an der Freundschaft an sich wurde nie gezweifelt und man behielt Recht. Die Familie mag manchmal nerven, aber sie schenkt uns so viel Freude. Und die Beispiele setzen sich fort...
Genau so ist es auch mit anderen Zielen, die wir haben.
In letzter Zeit sind mir zwei Dinge ans Herz gewachsen: Das eine betrifft viele meiner Mitmenschen. Ein Ehepaar aus meinem Bekanntenkreis trennt die Wohnung. An dieser Stelle will ich mit einem Megafon rufen, dass dieser Weg durchlitten werden kann, aber nicht auseinander gehen muss. Auch ich kenne die Realität und muss einsehen, dass sich die Wege von Menschen auch trennen. Aber ich will daran glauben, dass es niemals der einzige Weg ist.
Das führt mich zur zweiten Sache: Es kommt in regelmäßigen Abständen vor, dass ich mich, meine Überzeugungen oder mein Leben in Frage stelle. Auch diese Wege müssen durchlitten werden. Natürlich ändert sich dadurch auch einiges in meinem Leben. Aber eines ändert sich nicht: Ich gebe niemals auf. Mein Ziel steht!
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Mittwoch, 27. Juli 2011
Donnerstag, 21. Juli 2011
Ich, Du und der andere
Gene sind nur Ausrede.
"Besser spät als nie. Dafür aber mehr." - Samuel Schmidt
(Vielleicht hab ihr gemerkt, dass ich gestern keinen Post eingestellt habe.)
Als wir klein waren
Als wir klein waren, haben wir alle die verschiedensten Spiele gespielt. Und ein wohl sehr beliebtes Kinderspiel ist Vater, Mutter, Kind. Andere Kinder haben die Vater-Mutter-Kind von Puppen übernehmen lassen. Diese Spiele sind sehr wichtig, für die Entwicklung der Kinder, weil schon einmal ausprobiert wird, wie es ist Erwachsener zu sein. Und dabei werden nicht selten die eigenen Eltern nachgemacht. Das Nachmachen der Eltern ist die erste und grundlegende Art und Weise, etwas zu lernen.
Wenn die Kinder größer werden, werden die Eltern nicht mehr so wichtig. Aber nachgemacht wird trotzdem. Dann sind es eben die Freunde, die als Vorbilder dienen. Kaum ein Jugendlicher probiert eine Zigarette, aus einem anderen Grund als dem, dass die Freunde es auch tun.
Auch wenn wir groß sind, machen wir nach. Wir können gar nicht anders, als andere Menschen nachmachen. Unser Hirn lernt zu einem großen Teil durch das einfache Nachmachen. Aber wen machen wir als Erwachsene nach? Z.B. unseren Partner, Arbeitskollegen, die erfolgreich aussehen, Freunde usw.
Nachmachen bitte, aber das richtige!
Durch das Nachmachen, werden Verhaltensmuster trainiert. Wir üben uns in Verhaltensweise und Gewohnheiten ein. Die Vorbilder, die wir haben, werden dabei meistens unbewusst ausgewählt. Das hat etwas mit Attraktivität, sozialen Gruppen und eigenen Interessen zu tun. Dabei kann es sehr leicht passieren, dass auch Verhaltensweisen kopiert werden, die ziemlich blöd sind. Rauchen zum Beispiel.
Aber man muss ja nicht alles schwarz sehen. Das Nachmachen von Menschen, die irgendetwas haben oder sind, das wir auch gern hätten oder wären, ist ja keine schlechte Idee. Mus muss sie sich nur aussuchen. Das ist ganz leicht. Das einzige, was man dazu braucht ist ein waches Auge und ein bisschen Fantasie und Lockerheit. Schauspielkunst braucht man nicht unbedingt. Aber es ist wichtig, dass man unbefangen in der Gegenwart anderer etwas „spielen“ kann.
Ein Freund von mir fand den Piraten Jack Sparrow aus Fluch der Karibik total toll und wünschte sich ebenso abenteuerlustig, entspannt, gewitzt und cool zu sein. Also fing er an sich zu bewegen wir Jack Sparrow und ging in einer Mischung zwischen betrunkenem torkeln und femininen stolzieren durch die Gegend. - So bitte nicht! Der Ansatz ist ganz gut. Die Körperhaltung vermittelt auch ein Gefühl. Wer sich bewegt wie Jack Sparrow, kann sich auch fühlen wie Jack Sparrow. Das ist schon richtig. Aber es ist die Wahl von Jack Sparrow als Vorbild, mit der ich nicht einverstanden bin.
Ich und der andere
Aber wen sollte man denn zum Vorbild nehmen? Ich würde sagen, dass ist tatsächlich frei gestellt. Jeder von uns hat Wünsche und Träume von einem zufriedenen Leben. Und wenn diese Wünsche und Träume von Verwegenheit, Freiheit und Abenteuerlust verkörpert werden, ist Jack Sparrow vielleicht die richtige Wahl. Doch bevor man tatsächlich nachmacht, sollte man sich überlegen, ob diese Charaktermerkmale bei dem Menschen in unserer Umgebung tatsächlich auch als solche wahrgenommen werden. Es ist zwar nur ein „Spiel“, aber es sollte nicht unbedingt lächerlich werden.
Wenn man jetzt eine Person gefunden hat, die genau das verkörpert, das ich gerne hätte oder wäre, was muss ich dann tun? Nun ja, hinsehen. Das erste was man sehen kann, ist der Gesichtsausdruck. Wie blickt dieser Mensch drein? Lächelt sie immer, kuckt sie ernst? Was macht ihren Gesichtsausdruck so kompetent? Auch die Körperhaltung. Steht die Person gerade? Steht sie krumm? Steht sie mit beiden Beinen fest auf dem Boden oder nur auf einem Bein? Hände in den Taschen? usw. Dann können Gesten nachgemacht werden. Die Bewegung beim Lachen, Sprechen, Laufen, Reden, Autofahren usw. All das hat den Sinn ein Gefühl des eigenen Selbstwertes zu erzeugen, das bei einem anderen gefällt. Und das zu spielen jemand anderes zu sein, ist dafür völlig okay und sehr gut geeignet.
Aber verliere ich dabei nicht mich selbst? Sollte ich nicht so sein, wie ich bin? Eine Sache, die man sich dabei immer wieder vorhalten muss, ist, man wird sich zwar verändern, aber man wird immer man selbst sein. Niemand wird durch diese Spiele zu James Bond, Harald Schmidt oder Barack Obama. Natürlich gibt es Menschen, die in einer solchen Rolle total aufgehen und sich dahinter verstecken. Aber das soll ja nicht das Ziel sein. Das Ziel ist, sich selbst weiterzuentwickeln und nicht jemand anderes zu werden.
Prinzen
Weil ich Christ bin, erwartet man von mir, dass ich jetzt natürlich Jesus als bestes Vorbild vorschlage. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich das gar nicht kann. Es fällt mir sehr schwer Jesus zu kopieren, weil ich nicht weiß, wie er sich bewegt oder verhalten hat. Ich weiß nur was er gesagt und vertreten hat.
Aber bei einer Sache hat er mir doch geholfen: Ich wollte immer ein Prinz sein. Prinzen sind nicht wichtig genug, um die Staatsgeschäfte übernehmen zu müssen, haben aber Würde, Freiheit und viele materielle Dinge, um Träume zu verwirklichen. Natürlich kann ich jetzt Prinz spielen. Aber ich weiß, dass ich eigentlich keiner bin. Und das mag mit anderen Rollen ebenso sein. Man kann Geheimagent, Bundespräsident oder Anwalt spielen, aber man weiß, dass man keiner ist. Gut, diese drei Berufe kann man ergreifen. Aber Prinz kann man nicht werden. Es sei denn man heiratet eine Prinzessin. Jesus hat mir dabei geholfen mein Selbst zu bestätigen. Die Würde eines Prinzen kommt daher, dass er weiß, er ist etwas besonderes. Diesen Selbstwert habe ich in Gott gefunden. Diese Grundlage hat es mir ermöglicht das eine oder andere Mal, Prinz zu spielen: Gentleman sein, Würde ausstrahlen, von großer Freiheit träumen, usw. So kam alles zusammen.
Damit will ich nicht sagen, dass Jesus kein gutes Vorbild wäre. Er ist ein gutes. Doch er ist ein schwieriges. Man braucht eine ganze Menge Fantasie, um sich vorzustellen wie Jesus gehandelt hätte, in einer Situation wie meiner, wie er sich fühlte, wie er sich bewegt hätte usw. Aber wer will, kann sich gerne an ihm probieren.
Ein Zusatzbeispiel für Christen
Ich habe mal einen Mann kennen gelernt, der tatsächlich sein wollte wie Jesus. Er ließ sich lange Haare wachsen, trug einen Bart und hatte sogar Leinenkleidung an. Zwar nicht so ein Hängekleid, wie man es in den Kirchenfenstern sieht, sondern ganz normal geschnitten, aber der Stoff war gleich. Ich kam ins Gespräch mit ihm und habe ihn gefragt, warum er das trüge. Er erzählte, dass er davon überzeugt war, dass man als Christ Jesus immer ähnlicher werden sollte; auch äußerlich.
Das war zwar nicht nach meinem Geschmack, aber es ist genau das, was ich oben auch beschrieben habe. Dieser Mann hat ganz „gespielt“ Jesus zu sein und dadurch versucht sein Leben zu verändern. Ich habe mich oft gefragt, was er wohl getan hätte, wenn er als Frau zur Welt gekommen wäre. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
"Besser spät als nie. Dafür aber mehr." - Samuel Schmidt
(Vielleicht hab ihr gemerkt, dass ich gestern keinen Post eingestellt habe.)
Als wir klein waren
Als wir klein waren, haben wir alle die verschiedensten Spiele gespielt. Und ein wohl sehr beliebtes Kinderspiel ist Vater, Mutter, Kind. Andere Kinder haben die Vater-Mutter-Kind von Puppen übernehmen lassen. Diese Spiele sind sehr wichtig, für die Entwicklung der Kinder, weil schon einmal ausprobiert wird, wie es ist Erwachsener zu sein. Und dabei werden nicht selten die eigenen Eltern nachgemacht. Das Nachmachen der Eltern ist die erste und grundlegende Art und Weise, etwas zu lernen.
Wenn die Kinder größer werden, werden die Eltern nicht mehr so wichtig. Aber nachgemacht wird trotzdem. Dann sind es eben die Freunde, die als Vorbilder dienen. Kaum ein Jugendlicher probiert eine Zigarette, aus einem anderen Grund als dem, dass die Freunde es auch tun.
Auch wenn wir groß sind, machen wir nach. Wir können gar nicht anders, als andere Menschen nachmachen. Unser Hirn lernt zu einem großen Teil durch das einfache Nachmachen. Aber wen machen wir als Erwachsene nach? Z.B. unseren Partner, Arbeitskollegen, die erfolgreich aussehen, Freunde usw.
Nachmachen bitte, aber das richtige!
Durch das Nachmachen, werden Verhaltensmuster trainiert. Wir üben uns in Verhaltensweise und Gewohnheiten ein. Die Vorbilder, die wir haben, werden dabei meistens unbewusst ausgewählt. Das hat etwas mit Attraktivität, sozialen Gruppen und eigenen Interessen zu tun. Dabei kann es sehr leicht passieren, dass auch Verhaltensweisen kopiert werden, die ziemlich blöd sind. Rauchen zum Beispiel.
Aber man muss ja nicht alles schwarz sehen. Das Nachmachen von Menschen, die irgendetwas haben oder sind, das wir auch gern hätten oder wären, ist ja keine schlechte Idee. Mus muss sie sich nur aussuchen. Das ist ganz leicht. Das einzige, was man dazu braucht ist ein waches Auge und ein bisschen Fantasie und Lockerheit. Schauspielkunst braucht man nicht unbedingt. Aber es ist wichtig, dass man unbefangen in der Gegenwart anderer etwas „spielen“ kann.
Ein Freund von mir fand den Piraten Jack Sparrow aus Fluch der Karibik total toll und wünschte sich ebenso abenteuerlustig, entspannt, gewitzt und cool zu sein. Also fing er an sich zu bewegen wir Jack Sparrow und ging in einer Mischung zwischen betrunkenem torkeln und femininen stolzieren durch die Gegend. - So bitte nicht! Der Ansatz ist ganz gut. Die Körperhaltung vermittelt auch ein Gefühl. Wer sich bewegt wie Jack Sparrow, kann sich auch fühlen wie Jack Sparrow. Das ist schon richtig. Aber es ist die Wahl von Jack Sparrow als Vorbild, mit der ich nicht einverstanden bin.
Ich und der andere
Aber wen sollte man denn zum Vorbild nehmen? Ich würde sagen, dass ist tatsächlich frei gestellt. Jeder von uns hat Wünsche und Träume von einem zufriedenen Leben. Und wenn diese Wünsche und Träume von Verwegenheit, Freiheit und Abenteuerlust verkörpert werden, ist Jack Sparrow vielleicht die richtige Wahl. Doch bevor man tatsächlich nachmacht, sollte man sich überlegen, ob diese Charaktermerkmale bei dem Menschen in unserer Umgebung tatsächlich auch als solche wahrgenommen werden. Es ist zwar nur ein „Spiel“, aber es sollte nicht unbedingt lächerlich werden.
Wenn man jetzt eine Person gefunden hat, die genau das verkörpert, das ich gerne hätte oder wäre, was muss ich dann tun? Nun ja, hinsehen. Das erste was man sehen kann, ist der Gesichtsausdruck. Wie blickt dieser Mensch drein? Lächelt sie immer, kuckt sie ernst? Was macht ihren Gesichtsausdruck so kompetent? Auch die Körperhaltung. Steht die Person gerade? Steht sie krumm? Steht sie mit beiden Beinen fest auf dem Boden oder nur auf einem Bein? Hände in den Taschen? usw. Dann können Gesten nachgemacht werden. Die Bewegung beim Lachen, Sprechen, Laufen, Reden, Autofahren usw. All das hat den Sinn ein Gefühl des eigenen Selbstwertes zu erzeugen, das bei einem anderen gefällt. Und das zu spielen jemand anderes zu sein, ist dafür völlig okay und sehr gut geeignet.
Aber verliere ich dabei nicht mich selbst? Sollte ich nicht so sein, wie ich bin? Eine Sache, die man sich dabei immer wieder vorhalten muss, ist, man wird sich zwar verändern, aber man wird immer man selbst sein. Niemand wird durch diese Spiele zu James Bond, Harald Schmidt oder Barack Obama. Natürlich gibt es Menschen, die in einer solchen Rolle total aufgehen und sich dahinter verstecken. Aber das soll ja nicht das Ziel sein. Das Ziel ist, sich selbst weiterzuentwickeln und nicht jemand anderes zu werden.
Prinzen
Weil ich Christ bin, erwartet man von mir, dass ich jetzt natürlich Jesus als bestes Vorbild vorschlage. Wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, dass ich das gar nicht kann. Es fällt mir sehr schwer Jesus zu kopieren, weil ich nicht weiß, wie er sich bewegt oder verhalten hat. Ich weiß nur was er gesagt und vertreten hat.
Aber bei einer Sache hat er mir doch geholfen: Ich wollte immer ein Prinz sein. Prinzen sind nicht wichtig genug, um die Staatsgeschäfte übernehmen zu müssen, haben aber Würde, Freiheit und viele materielle Dinge, um Träume zu verwirklichen. Natürlich kann ich jetzt Prinz spielen. Aber ich weiß, dass ich eigentlich keiner bin. Und das mag mit anderen Rollen ebenso sein. Man kann Geheimagent, Bundespräsident oder Anwalt spielen, aber man weiß, dass man keiner ist. Gut, diese drei Berufe kann man ergreifen. Aber Prinz kann man nicht werden. Es sei denn man heiratet eine Prinzessin. Jesus hat mir dabei geholfen mein Selbst zu bestätigen. Die Würde eines Prinzen kommt daher, dass er weiß, er ist etwas besonderes. Diesen Selbstwert habe ich in Gott gefunden. Diese Grundlage hat es mir ermöglicht das eine oder andere Mal, Prinz zu spielen: Gentleman sein, Würde ausstrahlen, von großer Freiheit träumen, usw. So kam alles zusammen.
Damit will ich nicht sagen, dass Jesus kein gutes Vorbild wäre. Er ist ein gutes. Doch er ist ein schwieriges. Man braucht eine ganze Menge Fantasie, um sich vorzustellen wie Jesus gehandelt hätte, in einer Situation wie meiner, wie er sich fühlte, wie er sich bewegt hätte usw. Aber wer will, kann sich gerne an ihm probieren.
Ein Zusatzbeispiel für Christen
Ich habe mal einen Mann kennen gelernt, der tatsächlich sein wollte wie Jesus. Er ließ sich lange Haare wachsen, trug einen Bart und hatte sogar Leinenkleidung an. Zwar nicht so ein Hängekleid, wie man es in den Kirchenfenstern sieht, sondern ganz normal geschnitten, aber der Stoff war gleich. Ich kam ins Gespräch mit ihm und habe ihn gefragt, warum er das trüge. Er erzählte, dass er davon überzeugt war, dass man als Christ Jesus immer ähnlicher werden sollte; auch äußerlich.
Das war zwar nicht nach meinem Geschmack, aber es ist genau das, was ich oben auch beschrieben habe. Dieser Mann hat ganz „gespielt“ Jesus zu sein und dadurch versucht sein Leben zu verändern. Ich habe mich oft gefragt, was er wohl getan hätte, wenn er als Frau zur Welt gekommen wäre. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
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