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Mittwoch, 17. August 2011

Die Sache mit den fliegenden Bergen

Wenn wir daran zweifeln, dass wir etwas schaffen oder verändern können, dann wird es auch nicht passieren.

Ich kann alles, wenn ich nur will - Ned (Mrs Jo und ihre fröhliche Familie)


Abschied und Dank

Dieser Blogbeitrag wird der letzte dieser Reihe sein. Der Blog war von vorn herein auf 15 Posts konzipiert und deshalb soll dies auch kein Abbruch, sondern eine Vollendung sein. Das passt ganz gut, da meine Frau und ich in der nächsten Woche umziehen werden und dann den Kopf erst einmal mit anderen Dingen beschäftigt haben.

Ich möchte mich deshalb bei allen Lesern und Abonnenten bedanken und hoffe, dass sie von diesem Blog profitieren konnten. Ich habe mich immer über Kommentare und Anmerkungen gefreut und versucht sie immer zu berücksichtigen.

Die Sache mit dem Cello

Vor einiger Zeit sah ich eine Dokumentation über Heilungswunder und wie die Medizin versucht ihnen auf die Schliche zu kommen. Alle christlichen Fundamentalisten dürfen sich jetzt festhalten: Das geht tatsächlich! Für viele Phänomene, die vor einigen Jahren noch als Wunder bezeichnet wurden, gibt es heute eine Erklärung. Besondere Bedeutung hat dabei der eigene Wille und die eigene Vorstellungskraft. Hält man eine wundersame Heilung entgegen allen ärztlichen Befunden für möglich? Oder nicht?

Ein Beispiel hat mich ganz besonders berührt. Es geht um den polnischen Cellisten Dominik Browonski. (Ich bin mir sicher, dass ich seinen Namen falsch aufgeschrieben habe, aber so hörte er sich an.) Der junge, talentierte Musiker erkrankte an einem Gehirntumor. Nach vier Operationen war er gelähmt. Er konnte weder Musik machen, noch seine Arme richtig bewegen, geschweige denn Laufen.

Aber das ließ er nicht auf sich sitzen. Er steckte sich klassische Musik in die Ohren und erinnerte sich, wie er einst spielte und daran, dass er wieder spielen wolle. Ein Arzt half ihm, diesen Willen stark zu machen. Und tatsächlich konnte er lernen sich wieder zu bewegen. Laufen lernen, Sogar seine Arme wieder bewegen.

Doch die Krankheit ließ ihn nicht los. Der Tumor kam wieder und erneute Operationen drohten. Sein Arzt schlug ihm vor, sich vorzustellen, dass die gesunden und guten Zellen, sich schneller vermehren würden, als die kranken. So, wie er früher Tag und Nacht an seinem Cello trainierte, übte er auch diesen Gedanken.

Heute ist Dominik wieder auf der Bühne. Er spielt Cello, wenn auch (noch) einarmig, aber der Tumor ist verschwunden.

Die Sache mit den Wundern

Wir können diese Geschichte für wahr halten oder für ein Märchen. Warum sollten so viele Menschen krank und gelähmt sein, wenn die einfache Vorstellung und der Wille wieder zur Bewegung und Gesundheit verhelfen. Sicher ist er nur eine Ausnahme oder hatte Glück. Aber auf die meisten anderen trifft das nicht zu.

Erwischt? So klingen „limitierende Glaubenssätze“. Das sind Vorstellungen, die derart fest sind, dass man sie nicht so leicht ändern kann. Sie bestimmen unser Leben. Wenn man die Vorstellung hat, dass niemand den Ärmenkanal durchschwimmen kann, dann wird das auch niemand schaffen. Aber ein paar Menschen glauben, dass sie es können und schaffen es auch.

Eigentlich ist es doch sehr einleuchtend, dass man nur diejenigen Dinge tun kann, von denen man glaubt, dass man sie schafft. Anders herum geht es auch. Wenn ich davon überzeugt bin, dass ich unfähig bin und nichts in meinem Leben auf die Reihe kriege, werde ich genügend Bestätigung finden.

Ich muss gestehen, dass es mir schwer fällt zu glauben, dass sich ein Tumor oder eine andere Krankheit nur durch die Kraft meiner Gedanken heilen lässt. Auch ich habe die limitierenden Glaubenssätze. Aber polnischer Cellist hat es geglaubt und geschafft. Unglaublich aber wahr! Und die Wissenschaft steht hinter ihm.

Sie Sache mit dem Glauben

Ich will gar nicht über Dinge wie Heilung reden. Es wäre schon eine krasse Sache, wenn ich glaubte, dass ich geheilt werden könnte, auch wenn der Arzt mit seiner weißen Halbgottautorität sagte, dass ich nur gelähmt bleiben müsste. Da kann nur noch der Glaube helfen, dass es einen guten Gott im Himmel gibt, der diese Sache für mich regelt.

Den Glauben an Gott sollte man nicht unterschätzen. Wenn die Bibel behauptet, dass der Glaube Berge versetzen kann, dann ist das keine in die Luft gestochene Euphorie, sondern eine Möglichkeit. Doch halten wir diese Möglichkeit für wahr? Man kann sich ja mal den Spaß machen und einen beliebigen Christen fragen, ob er es tatsächlich für möglich hält, dass der Glaube Berge versetzen kann. Z.B. das Matterhorn. Es muss ja nicht ganz so groß sein, vielleicht der Brocken. Ich bin mir sicher, dass die Antwort ziemlich ernüchternd sein wird. Und wenn es doch jemand für möglich hält, kann man ja mal fragen wie das aussehen könnte. Ich kann mir vorstellen, dass nicht einer sagt: „Na, der hebt sich dann hoch und fällt im Meer wieder runter.“ Obwohl genau das in der Bibel steht, werden wohl die meisten etwas von Erdbeben oder anderen Naturereignissen babbeln.

Aber genau das sind die Barrieren in unserem Kopf. Dass jemand fliegende Berge für unmöglich hält, kann ich sehr gut nachvollziehen. Doch wie sieht es mit Barrieren im Kopf aus, die weit normaler sind? Vervollständige doch einfach mal folgende Sätze ganz spontan:

- Ich kann nicht ...
- Ich bin zu ...
- Niemand wird je ...
- Es geht einfach nicht, dass ...

Ich bin gespannt was da heraus kommt.

Die Sache mit dem Abschied

Ich habe schon einmal erzählt, dass ich mit dem Gedanken aufgewachsen bin: „Ich kann alles, wenn ich nur will.“

Das ist wohl der Kern dieses Blogs. Ich habe versucht diesen Satz zu umspielen, indem ich über Ziele und Träume gesprochen habe. Über Fähigkeiten, Selbstvertrauen und Chancen. Natürlich ist dieser Satz nur die halbe Wahrheit. Ich glaube auch, dass ich es nicht allein bin, der handeln muss. Ich befinde mich in einem Netz aus Familie, Freunden und Menschen zu denen ich keine enge Beziehung pflege. Außerdem gehört Gott in dieses Netzt hinein. Ich kann alles. Ich muss nur wollen. Und damit gelingt, was ich mir vorstelle, müssen andere Menschen und auch Gott mithelfen. Ja, ich gebe es zu, das ist ein limitierender Glaubenssatz. Aber ganz ehrlich: Es ist viel schöner zu wissen, dass man Familie, Freunde und einen starken Gott hinter sich hat, weil man es erlebt hat. Und es ist allemal besser sich auf dieses Netz zu verlassen, als alles allein machen zu müssen. Wir sind nicht allein! Aber wir sind auch kein unbedeutendes Licht. Wir können tatsächlich etwas bewegen, wir müssen nur wollen.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Sonderthema: Steve Jobs' 2005 Stanford Commencement Address

Diese Rede von Steve Jobs hat mich sehr beeindruckt und sie passt genau in das Thema dieses Blogs.
Wer Englisch kann, sollte sich die 15 Minuten des Videos mal ansehen.


Hier der Link zum Video: Steve Jobs' 2005 Stanford Commencement Address

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Für alle, die kein Englisch können: Eine Übersetzung des Transcripts gibt es gleich hier.
(Vielen Dank an Roland Kopp-Wichmann)

"Ich fühle mich geehrt, heute mit Euch hier zu sein, bei Eurer Abschlussfeier an einer der besten Universitäten der Welt. Um die Wahrheit zu sagen, ich habe nie einen Hochschulabschluss gemacht und gerade bin ich näher an einem Hochschulabschluss als je zuvor.

Heute will ich Euch drei Geschichten aus meinem Leben erzählen. Das ist alles. Keine große Sache. Nur drei Geschichten.

Die erste Geschichte handelt vom Verbinden der Punkte.

Ich ging nach sechs Monaten vom Reed College ab, blieb dort aber für etwa achtzehn weitere Monate als Gast, bevor ich wirklich ganz gegangen bin. Aber, warum bin ich ausgeschieden?

Es begann noch bevor ich geboren wurde. Meine leibliche Mutter war eine junge, unverheiratete Universitätsabsolventin und sie entschied sich, mich zur Adoption frei zu geben. Sie war sehr davon überzeugt, dass ich von Leuten mit einem Universitätsabschluss adoptiert werden sollte.

So wurde alles dafür arrangiert, dass ich bei der Geburt von einem Anwalt und seiner Frau adoptiert werden würde. Doch genau als ich auf die Welt kam, entschieden sie sich in letzter Minute, dass sie lieber ein Mädchen hätten. So wurden meine Eltern, die auf der Warteliste standen, mitten in der Nacht angerufen und gefragt: „Wir haben hier eine unerwartete Geburt eines Jungen. Wollen sie ihn?“ Sie sagten: „Natürlich.“

Meine leibliche Mutter fand später heraus, dass meine Mutter nie eine Universität absolviert und mein Vater nie die High-School abgeschlossen hatte. Sie weigerte sich, die Adaptionspapiere zu unterschreiben und war erst einige Monate später damit einverstanden, als meine Eltern versprochen hatten, dass ich irgendwann zur Universität gehen würde.

Das war der Beginn meines Lebens.

Und so ging ich 17 Jahre später auf die Hochschule. Aber naiv, wie ich war, habe ich ein College ausgesucht, das fast so teuer war wie Stanford und alle Ersparnisse meiner Eltern aus der Arbeiterklasse wurden für meine Universitätsgebühren ausgegeben. Nach sechs Monaten konnte ich den Wert darin nicht mehr sehen.

Ich hatte keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen wollte und keine Ahnung wie die Universität mich darin unterstützen würde, dieses herauszufinden. Und hier stand ich nun und hatte das ganze Geld ausgegeben, dass meine Eltern in ihren Leben gespart hatten.

So entschied ich mich die Schule zu verlassen und darauf zu vertrauen, dass alles gut gehen würde. Das war ziemlich beängstigend damals, aber zurückblickend war es eine der besten Entscheidungen, die ich je gemacht habe. Von der Minute, als ich ausschied, konnte ich aufhören, die Pflichtkurse zu besuchen, die mich nicht interessierten und mit denen zu beginnen, die mir interessant erschienen.

Es war nicht alles Sonnenschein. Ich hatte keinen Schlafraum und so schlief ich auf dem Boden im Zimmer eines Freundes. Ich gab Colaflaschen für fünf Cent Pfand ab, um mir Essen zu kaufen und ich ging jede Sonntagnacht die sieben Meilen durch die Stadt für eine gute Mahlzeit in der Woche am Hare Krishna Temple.

Ich liebte es. Und vieles von dem, in das ich hinein stolperte, indem ich meiner Neugier und meiner Intuition folge, zeigte sich später als unbezahlbar.

Ein Beispiel.
Das Reed College bot zu jener Zeit eine der besten Kalligraphie-Kurse im Land an. Quer durch den Campus war jedes Poster, jedes Schild wunderschön von Hand mit kalligraphischer Schrift versehen. Weil ich ausgeschieden war und keine regulären Kurse besuchen musste, entschied ich mich für einen Kalligraphie-Kurs, um zu lernen, wie man das macht.

Ich lernte alles über Serifen– und San Serifen-Schriftarten, über den unterschiedlichen Abstand zwischen den verschiedenen Kombinationen von Buchstaben; eben über all das, was großartige Typografie großartig macht. Es war wunderschön, geschichtlich, künstlerisch ausgetüftelt, in einer Art und Weise, wie sie Wissenschaft nicht einfangen kann und ich fand es faszinierend.

Nichts von alle dem hatte auch nur den Hoffnungsschimmer einer praktischen Anwendung in meinem Leben. Aber zehn Jahre später, als wir den ersten Macintosh-Computer entworfen haben, kam das alles zu mir zurück.

Und wir bauten alles in den Mac ein. Es war der erste Computer mit wunderschöner Typografie. Wenn ich niemals diesen Kurs im College besucht hätte, hätte der Mac niemals verschiedene Schriftarten oder Proportionalschrift gehabt. Und da Windows einfach den Mac kopierte, ist es wahrscheinlich, dass kein PC sie bekommen hätte. Wäre ich niemals ausgeschieden, wäre ich niemals in diesen Kalligraphie-Kurs gegangen und PC’s würden nicht die wunderschönen Schriftarten haben, die sie haben.

Natürlich war es nicht möglich, in die Zukunft blickend diese Punkte miteinander zu verbinden, während ich noch an der Universität war. Aber es war sehr sehr klar, als ich zehn Jahre später zurückblickte.

Du kannst die Punkte nicht verbinden, wenn Du nach vorne blickst. Du kannst die Punkte nur verbinden, wenn Du zurück blickst. So musst Du daran glauben, dass sich die Punkte irgendwie in der Zukunft verbinden werden.

Du musst an etwas glauben – Deinen Bauch, Schicksal, Leben, Karma oder was auch immer. Denn daran zu glauben, dass am Ende sich die Punkte verbinden werden, gibt Dir die Zuversicht Deinem Herzen zu folgen. Auch wenn es Dich vom wohl ausgetretenen Pfad wegführt – und das macht den ganzen Unterschied.

Meine zweite Geschichte ist über Liebe und Verlust

Ich hatte Glück. Ich fand ziemlich früh im Leben, was ich geliebt habe. Woz und ich starten Apple in der Garage meiner Eltern als ich 20 war. Wir arbeiteten hart und in zehn Jahren wuchs Apple von uns beiden in der Garage zu einem zwei Milliarden Dollar Unternehmen mit mehr als 4000 Mitarbeitern heran.

Wir hatten gerade unser bestes Produkt geschaffen, den Macintosh, ein Jahr bevor ich 30 wurde. Und, dann wurde ich gefeuert. Wie kann jemand gefeuert werden, von dem Unternehmen, das er gegründet hatte?

Nun, als Apple wuchs, stellten wir jemanden ein, von dem ich glaubte, er wäre sehr talentiert darin, das Unternehmen mit mir zu führen. Für das erste Jahr liefen die Dinge gut. Aber als unsere Visionen für die Zukunft begannen sich zu unterscheiden, kam es zu einer Auseinandersetzung.

Während wir diese hatten, war die Chefetage auf seiner Seite. Und so war ich mit 30 draußen. Und sogar ziemlich öffentlich raus geworfen. Das, was mein einziges Ziel meines erwachsenen Lebens war, war nun vorbei und verwüstet.

Ich war ein ziemlich öffentlicher Versager und ich überlegte sogar aus der Gegend weg zu ziehen. Aber etwas begann langsam in mir zu dämmern — ich liebte immer noch, das was ich tat. Der Verlauf mit Apple hatte das kein bisschen verändert. Ich war gefeuert aber meine Leidenschaft war immer noch da. Und so entschied ich mich von Neuem zu beginnen.

Ich hatte es damals nicht gesehen, aber es stellte sich heraus, dass von Apple gefeuert zu werden, war das Beste, was mir je passieren konnte.

Der Druck erfolgreich zu sein, war ersetzt worden, von der Leichtigkeit wieder ein Anfänger zu sein, weniger sicher in allem.

Es befreite mich, um eine der kreativsten Phasen in meinem Leben zu beginnen. Während der nächsten fünf Jahre startete ich eine Firma namens NeXT, eine andere Firma namens Pixar und verliebte mich in eine wundervolle Frau, die meine Frau werden wollte.

Pixar entwickelte den ersten computeranimierten Film der Welt, Toy Story, und ist jetzt das erfolgreichste Animationsstudio der Welt. In einer bemerkenswerten Wendung der Dinge, kaufte Apple NeXT und ich war zurück bei Apple und die Technologie, die wir bei NeXT entwickelt haben, ist nun das Herz von Apples gegenwärtiger Renaissance. Und Laurene und ich haben eine wundervolle Familie zusammen.

Ich bin mir ziemlich sicher, nichts von dem wäre jemals geschehen, wenn ich nicht bei Apple gefeuert worden wäre. Es war bitter schmeckende Medizin, aber ich schätze, der Patient brauchte sie.

Manchmal trifft Dich das Leben mit einem Ziegelstein auf den Kopf. Verliere nicht Deinen Glauben.

Ich bin überzeugt, dass das einzige, was mich weitermachen ließ, war, dass ich geliebt habe, was ich tat. Ihr müsst finden, was ihr liebt. Und das ist genauso wahr in Bezug auf Eure Arbeit als auch für Eure Liebespartner.

Eure Arbeit wird einen großen Teil Eures Lebens ausfüllen und der einzige Weg, wirklich erfüllt zu sein, ist das zu tun, wovon Ihr glaubt, dass es eine großartige Arbeit sei. Und der einzige Weg, großartige Arbeit zu tun, ist zu lieben, was ihr tut.

Wenn Ihr es bis jetzt nicht gefunden habt, sucht weiter und bleibt nicht stehen. Und wie es mit allen Herzensangelegenheiten ist, Ihr werdet es wissen, wenn Ihr es gefunden habt. Und wie jede große Beziehung wird es mit dem Lauf der Jahre besser und besser.

Also bleibt aufmerksam, bleibt nicht stehen.

Meine dritte Geschichte handelt vom Tod

Als ich 17 war, las ich ein Zitat, das ungefähr so klang: „Wenn Du jeden Tag so lebst, als wäre es Dein letzter, wirst Du höchstwahrscheinlich irgendwann recht haben.“

Es hatte mich tief beeindruckt und seit damals habe ich über 33 Jahre lang, jeden Morgen in den Spiegel geschaut und mich selbst gefragt: „Wenn heute der letzte Tag in meinem Leben wäre, würde ich dann das tun wollen, was ich mir heute vorgenommen habe?“

Und wann immer die Antwort für zu viele Tage hintereinander „nein“ war, wusste ich, ich muss etwas verändern.

Mich zu daran zu erinnern, dass ich bald tot sein werde, ist das wichtigste Werkzeug, das mir geholfen hat, die großen Entscheidungen in meinem Leben zu treffen.

Weil fast alles — alle äußeren Erwartungen, der ganze Stolz, die ganze Angst vor Peinlichkeit und Versagen – diese Dinge fallen einfach weg im Angesicht des Todes und es bleibt nur das übrig, was wirklich wichtig ist.

Sich zu erinnern, dass man sterben wird, ist der beste Weg, den ich kenne, um der Falle zu entgehen zu glauben, man hätte etwas zu verlieren. Du bist vollkommen nackt. Es gibt keinen Grund, nicht Deinen Herzen zu folgen.

Ungefähr vor einem Jahr wurde bei mir Krebs diagnostiziert. Ich hatte eine Untersuchung um 7:30 Uhr am Morgen und es war deutlich ein Tumor auf meiner Bauchspeicheldrüse zu sehen. Ich wusste nicht mal, was eine Bauchspeicheldrüse ist.

Mein Arzt riet mir nach Hause zu gehen und meine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, womit Ärzte meinen, man soll sich vorbereiten zu sterben. Es bedeutet zu versuchen, Deinen Kindern all das zu sagen, wovon Du dachtest, Du hättest die nächsten zehn Jahre Zeit — in nun mehr nur wenigen Monaten. Es bedeutet, dass alles geklärt sein soll, damit es später so leicht wie möglich für Deine Familie sein wird. Es bedeutet, Dich zu verabschieden.

Ich lebte mit dieser Diagnose den ganzen Tag. Später am Abend hatte ich eine Biopsie, wo sie mir ein Endoskop in den Hals gesteckt haben, durch meinen Magen in die Eingeweide, wo sie mit einer Nadel einige Zellen von dem Tumor entnommen haben.

Ich war betäubt, aber meine Frau, die dabei war, erzählte mir, dass, als sie sich die Zellen unter dem Mikroskop ansahen, die Ärzte zu weinen begannen, weil es sich herausstellte, dass dies eine sehr seltene Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs war, der mit einer Operation heilbar ist. Ich hatte die Operation und zum Glück, ich bin wieder gesund.

Das war meine engste Begegnung mit dem Tod und ich hoffe, das wird so bleiben für die nächsten Jahrzehnte. Das durchlebt zu haben, gibt mir die Möglichkeit, Euch mit mehr Gewissheit sagen zu können, dass der Tod ein nützliches aber rein geistiges Konzept ist: Niemand will sterben.

Selbst Menschen, die in den Himmel kommen wollen, wollen nicht sterben um dorthin zu gelangen. Und dennoch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. Niemand ist jemals entkommen.

Und das ist so, wie es sein sollte, denn der Tod ist sehr wahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens.
Er ist der Anwalt für Veränderung im Leben.
Es räumt das Alte weg, um Platz zu machen für das Neue.
Gerade jetzt seid Ihr das Neue, aber eines Tages, nicht sehr weit von heute, werdet Ihr langsam zum Alten werden und weggeräumt werden. Tut mir leid, dass ich so drastisch bin — aber es ist einfach die Wahrheit.
Deine Zeit ist begrenzt, also verschwende Sie nicht damit, das Leben anderer zu leben. Lasse Dich nicht von Dogmen einfangen, welche ein Leben nach den Überlegungen anderer Leute bedeuten. Lass nicht den Lärm anderer Meinungen Deine eigene innere Stimme zum verstummen bringen.
Und das Allerwichtigste: Habe den Mut, Deinem eigenen Herzen und Deiner Intuition zu folgen. Irgendwie wissen sie bereits, was Du wirklich werden willst. Alles andere ist zweitrangig."

Mittwoch, 8. Juni 2011

Vollgas

Wenn du etwas haben willst, gib es weg!

"Die Moral eines Menschen ist zu beurteilen nach der Fähigkeit, welch großes Opfer er zu bringen bereit ist, ohne dabei an eine Gegenleistung zu denken." - Konrad Lorenz


Georg Müller

Georg Müller ist am 10. März 1898 in Bristol gestorben. Wer ein Foto von dem gebürtigen Deutschen sieht, wird einen auffallend breit grinsenden Mann sehen. Das ist sehr unüblich für die damalige Zeit. Fotoaufnahmen dauerten in der damaligen Zeit recht lange. Man durfte nicht wackeln. Deshalb war es für die meisten zur Gewohnheit geworden einfach grimmig in die Kamera zu sehen, auch wenn die Technik gegen Ende des 19. Jh. so weit fortgeschritten war, dass man sich auch Lächeln erlauben konnte.

Georg Müllers Lächeln in einer Zeit, in der niemand sonst lächelte, spiegelt seine Grundhaltung wieder. Als Pastor in England war er davon überzeugt, etwas für die vielen Waisenkinder tun zu müssen. Gleichzeitig hatte er sich aber an den christlichen Grundsatz gehalten „Verkaufe alles was du hast und gib es den Armen.“ Infolge dessen hatte er keinen Besitz mehr. Aber betteln wollte er auch nicht.

Dennoch schaffte er es mit Vertrauen und jeder Menge Gebet bis zum Jahr 1870 Waisenhäuser für 2000 Kinder zu bauen. Die Ausbildung, die er ihnen geben konnte, war so gut, dass er gebeten wurde, seine Ausbildung zurück zu schrauben, weil sich so viel Bildung für Waisenkinder nicht gehöre.

Georg Müller hat in seinem Leben alles gegeben, was er hatte. Für einen Traum, den er von einer Welt mit Gott hatte. Er hat Zeit seines Lebens keinen eigenen Besitz gehabt und niemals um Spenden gebeten. Dennoch waren immer wieder Menschen von seiner Idee und seinem Engagement begeistert, sodass sie ihm von ihrem Besitz abgaben, damit seine Arbeit weiter gehen konnte. Georg Müller ist damit zu einem leuchtenden Beispiel von Aufopferung im christlichen Abendland geworden.

Menschen mit Biss

Wenn wir Menschen eine Sachen haben wollen oder uns ein Ziel gesteckt haben, dann kommt es vor, dass wir uns daran festbeißen und nicht wieder davon loskommen. Mit dem Körper wird Raubbau betrieben und andere Bereiche des Lebens werden vernachlässigt.

Es fängt damit an, dass wir Kredite aufnehmen, weil uns Dinge zu leisten, die wir uns eigentlich nicht leisten können. Manche von uns arbeiten bis tief in die Nacht, weil sie dieses eine Projekt noch abschließen wollen. Wieder andere spielen stundenlang am Computer, um das nächste Level zu erreichen.

Es steckt in unseren Köpfen, dass wir für unsere Ziele etwas opfern müssen. Obwohl ich diesen Gedanken nicht von vorn herein ablehne, bin ich mir nicht sicher, ob wir „Opfer“ immer richtig verstehen.

Nur zu oft höre ich die Frage: "Wie schaffe ich es, dass ich mehr leisten kann? Ich brauche mehr Energie, mehr Kraft, mehr Ausdauer!" Der Kapitalismus hat uns eingebrannt, dass wir etwas weggeben müssen, um etwas anderes zu bekommen. Wir geben Arbeitskraft weg, um Geld zu bekommen. Wir geben Geld weg, um Ware zu bekommen usw.

Geben und bekommen

Was passiert mit uns, wenn wir diese Gedanken umdrehen? Was passiert wenn, wir etwas weggeben, das wir doch eigentlich haben wollen?

Vorrangig haben wir den Eindruck etwas zu verlieren. Aber dieser Verlust kann zur Freiheit werden. Freiheit, die uns Horizonte eröffnet, die wir vorher gar nicht gesehen haben.

Die Frage war vorher: Was muss ich haben oder tun, um mein Ziel zu erreichen? Nun ist die Frage: Was kann ich weggeben oder nicht tun, um mein Ziel zu erreichen?

Mir geht es nicht darum ein Asket zu werden, sondern darum, sich der Bindungen bewusst zu werden, die man eingegangen ist. Wovon habe ich mich abhängig gemacht? Muss das wirklich sein? Was würde passieren, wenn ich diese Abhängigkeiten los wäre? Wofür würde ich die neue Freiheit einsetzen? Welche Bindungen in meinem Leben wären wirklich sinnvoll?

Wie Georg Müller seinen ganzen Besitz wegzugeben, ist ein großer Schritt, den man vielleicht gar nicht tun muss. Aber die Frage allein „Was wäre wenn...?“ kann schon helfen sich von Dingen zu verabschieden, sie nicht mehr so ernst zu nehmen.

Man wird eine entspanntere Haltung zu den Dingen einnehmen. Sind Autos, Häuser, Computer, Geld oder Events so viel wert, dass man sein Leben für sie verbringt? Oder ist es etwas anderes mehr wert?

mein Computer

Als ich von Georg Müller erfahren habe, stellte auch ich mir die Frage, ob ich meinen gesamten Besitz weggeben könnte. Bei den meisten Dingen in meinem Besitz war das kein schwerer Gedanke(ich bin Student, da besitzt man ja auch nicht so viel). Bei meinem Computer war das anders. Er ist mein Arbeitsgerät und mein Kommunikationsmittel. Würde ich ihn weggeben, wäre ich gleich auf mehreren Ebenen eingeschränkt.

Ich kämpfte sehr lange mit diesem Gedanken. Zwar befindet sich der Rechner immer noch in meinem Besitz, aber ich habe mich doch innerlich von ihm getrennt. Ich habe zu den Daten darauf, den Dingen, die ich damit mache ein anderes Verhältnis. Ich arbeite immer noch sehr viel damit. Aber Internet, Daten usw. sind relativ geworden. Der Computer ist nun nicht mehr untrennbarer Teil meines Lebens.

Diese Entspannung hat mein Leben sehr bereichert und für andere Gedanken frei gemacht. Ich habe meine Prioritäten von Besitz und Status loslösen können. Nun bin ich in der Lage meine Prioritäten neu zu ordnen und mir über das wirklich wichtige im Leben Gedanken machen zu können: ...